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„Was glaubst denn du?“ – Vier Abende zum Glaubensbekenntnis

Seit etwa zwei Jahren gibt es nun schon die monatliche Entdeckertour durch die Bibel. Auf vielfachen Wunsch stehen nun die nächsten vier Abende unter einem besonderen Thema: Das apostolische Glaubensbekenntnis. Es wird in fast jedem Gottesdienst gesprochen, produziert in vielen Köpfen Fragezeichen und ist für manche ein echter Stolperstein: „Ich verstehe nur die Hälfte. Muss ich das alles glauben?“

Vier Abende, die keinen Bibeltext in den Mittelpunkt stellen, sondern Bekenntnis-Sätze, die soetwas wie eine komprimierte Form der biblischen Botschaft und des christlichen Glaubens sein sollen.

Vier Abende, die so sein sollen, wie es die Bibelrunde von Anfang an war: Kein Vortrag, sondern ein Gespräch, ein Austausch, nah am Leben, an den eigenen Erfahrungen, weil diese Frage im Mittelpunkt steht: „Was glaubst denn du?“ Willkommen sind Neugier und Zweifel, Fragen, Überzeugungen und Offenheit für die Ahnung, dass es mehr gibt als nur das, was so wahr wie eine mathematische Gleichung ist.

Natürlich sind die Abende offen für alle, auch für Neueinsteiger, die bisher die Bibelrunden verpasst haben, oder die, die nur an einem einzelnen Abend teilnehmen können. Melde Dich gern an bei Pfarrer Lutz Tietje, damit genügend Tee und Kekse auf dem Tisch stehen. Die Abende finden jeweils von 19.00 bis 20.30 Uhr im Gemeindesaal statt.

29.09.2026: 
Ich glaube an Gott, den Vater…
Eine höhere Macht, das Universum, ein Gott? Gibt es noch mehr zwischen Himmel und Erde, als ich sehen kann? Vater, Allmächtiger, Schöpfer… Wem verdanke ich mich? (…oder alles, was du dazu wissen und sagen willst).

28.10.2026
…und an Jesus Christus…
Wer war dieser Jesus? Wer ist er für mich? Kann es sein, dass Gott einen Sohn hat? Mit einer Jungfrau oder jungen Frau? Gelitten, gestorben – muss das sein? (…oder alles, was du dazu wissen und sagen willst).

24.11.2026
…am dritten Tage auferstanden… von dort wird er kommen…
Tot – und was kommt dann? Im Himmel – wo soll das sein? Im Reich der Seligen, im Fegefeuer oder einfach nichts – hast du eine Zukunft? (…oder alles, was du dazu wissen und sagen willst).

16.12.2026
Ich glaube an den Heiligen Geist…
Gespenst, Inspiration oder Hingespinst – was oder wer ist der „Heilige Geist“? Ich glaube irgendwie, aber „Institution Kirche“ – muss nicht sein? (…oder alles, was du dazu wissen und sagen willst).

 

 

Das apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Wachsen und Staunen

In der Form, in der wir es im Gottesdienst sprechen, ist dieses Bekenntnis zum ersten Mal in einer Schrift aus dem 8. Jahrhundert belegt. Dies ist aber nur das Ende eines Entstehungsprozesses, der bis ins 3. Jahrhundert, also die ganz junge Christenheit zurückreicht.

Die ersten Christen standen vor der Herausforderung, ihren Glauben in einer verständlichen und verbindlichen Weise auszudrücken. In den ersten Jahrhunderten gab es keine einheitlichen Bekenntnisse, aber es wurden immer wieder kürzere Glaubensbekenntnisse verwendet, um grundlegende christliche Überzeugungen zu bekennen. So war es üblich, dass die Täuflinge ein Bekenntnis ablegten, um ihre Zugehörigkeit zum christlichen Glauben zu bekunden. Diese Bekenntnisse waren oft in Form von Fragen und Antworten gestaltet, in denen die Glaubenswahrheiten abgefragt wurden.

Ein solches Taufbekenntnis war wohl auch der Ursprung des apostolischen Glaubensbekenntnisses. Dass der Glaube durch Bekenntnisse auf eine formalisierte und Art und Weise zum Ausdruck gebracht und zusammengefasst wird, macht übrigens das Christentum im Vergleich zu anderen Religionen einzigartig. Natürlich haben auch andere Religionen Glaubensüberzeugungen, aber ein explizites und formalisiertes Bekenntnis, das regelmäßig im Gottesdienst rezitiert wird, ist eine Besonderheit des Christentums.

Das apostolische Glaubensbekenntnis hat sich wie alle christlichen Bekenntnisse im Laufe der Zeit entwickelt. Wenn Veränderungen vorgenommen wurden, waren diese eine Reaktion auf konkrete Herausforderungen und auch Auseinandersetzungen, denen die Christinnen und Christen begegneten. „Apostolisch“ wird das Glaubensbekenntnis genannt, weil es später mit den zwölf Aposteln als Autoren des Bekenntnisses in Verbindung gebracht wurde, um seine Autorität zu unterstreichen.

Ich selbst spreche dieses Glaubensbekenntnis heute nicht mit dem Druck, dass ich mit persönlicher Überzeugung zu jeder einzelnen Formulierung Ja und Amen sagen muss. Sondern ich spreche es mit einem Staunen: So weit und tief ist der christliche Glaube, dass er mich mit meinen Müttern und Vätern im Glauben verbindet und ich ein Leben lang in ihn hineinwachsen kann.

(Lutz Tietje)

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