19 Heilige Nacht
Der Raum ist gediegen, die Stimmen gedämpft. Der weiche Teppich schluckt alles. Die Kronleuchter werfen ein mildes Licht. Der große Spieltisch, das vornehme Klackern der Roulette-Kugel. Alle sind schick gekleidet. Alle wollen Gewinner sein und ahnen doch, dass sie werden bezahlen müssen für den Traum vom Glück. Ich fühle mich unwohl. Ein alter Herr nickt mir zu, während er einen Stapel Chips auf eine rote Zahl schiebt.
Ich erinnere mich an meinen Auftrag. Den Stern fühle ich in der Innentasche meines Jacketts. Meine Hände und Taschen sind ansonsten leer. Ich habe nichts zu verlieren. Der Einsatz ist überschaubar. Es kann höchstens peinlich werden. Also trete ich an den Spieltisch. Der Croupier bittet um die Einsätze und dreht am Rad. Ich nehme den Stern und lege ihn auf die 24. Schwarz. Er verändert sich. Leuchtet wie Gold. Ich schaue in aufgerissene Augen, offene Münder. In dieser Runde setzt niemand sonst. Alle halten den Atem an. Der Stern leuchtet, die Kugel klackert. Alles auf eine Zahl. Auf eine Karte. Auf ein Leben. So ist sie, die Liebe.




